Ratten Gesunderhaltung

Eine kranke Ratte zeigt ihre Krankheit nicht wirklich deutlich an. Sie kommt weiterhin zum Futternapf, sie versucht weiterhin amgesellschaftlichen Leben im Rudel teilzunehmen. Dies sind normale Verhaltensweisen, das Tier muss fressen um am Leben zu bleiben und das Rudel bietet im Schutz. Deshalb bleiben Krankheiten vor dem Halter meist lange verborgen. Häufig fällt dem Halter eine Krankheit erst dann auf, wenn sie schon so weit fortgeschritten ist, dass sein Haustier überdeutliche Anzeichen wie eine sichtbare Gewichtsabnahme, Schwächezustände bis hin zur Apathie zeigt, meist ist es dann aber für eine erfolgreiche Behandlung der Krankheit schon zu spät! Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, dass jeder Halter seine Tiere sehr genau beobachtet um krankhafte Veränderungen rechtzeitig zu erkennen!

 

Check

Ein täglicher Gesundheitscheck ist Lebensnotwendig:

 

  • Kommen alle Ratten zur Fütterung und nehmen alle Nahrung auf?
  • Halten sie ihre üblichen Wachphasen ein und sind sie an ihrer Umgebung interessiert?
  • Bewegen sie sich normal?
  • Verhalten sie sich ihren Artgenossen gegenüber normal?

Das sind Fragen, die Sie sich täglich stellen sollten. Wenn eine Ratte sich anders als normal verhält oder Ihnen Krankheitszeichen auffallen, dann gehen Sie unverzüglich mit dem Tier zum Tierarzt!

Um schlimmere Krankheiten rechtzeitig zu erkennen, sollten Sie mindestens einmal pro Woche die Ratten genau untersuchen.

Nehmen Sie die Tiere aus dem Gehege und führen Sie folgende Untersuchungen durch:

  • Gewichtskontrolle. Wiegen Sie jedes Tier und schreiben Sie sich das Gewicht auf (zappelige Ratten setzen Sie dazu in eine Transportbox, wiegen sie damit und ziehen dann das Gewicht der Box ab). Zahme Ratten können Sie einfach in der Schale der Küchenwaage wiegen.
  • Schauen Sie in die Ohren und in die Augen. Kontrollieren Sie auch die Schneidezähne. Diese müssen so zueinander stehen, dass sie sich gut abnutzen können. Damit die Ratte Ihnen ihre Schneidezähne zeigt, können Sie ihr ein Leckerchen über den Kopf halten nach dem sie sich mit offenem Mäulchen recken wird. Die Vorderseite der oberen Schneidezähne sollte gelblich sein.
  • Tasten Sie das Tier ab. Achten Sie auf Tumore, Verdickungen und Aufgasungen.
  • Untersuchen Sie das Fell des Tieres (gegen den Strich streicheln, schauen Sie nach kahlen Stellen, Läsionen und anderen Auffälligkeiten.
  • Schauen Sie auf den After, achten Sie auf verklebte Stellen.

Krankheitszeichen und Ihre Bedeutung

Hier finden Sie eine kurze Auflistung von häufiger vorkommenden Krankheitsanzeichen.

Da es selbstverständlich ist, dass Sie mit einem kranken Tier einen Tierarzt aufsuchen, haben wir nicht jedesmal darauf hingewiesen.

Sind Worte /Krankheiten als Link angegeben, verbirgt sich dahinter ein ausführlicher Infotext zu der entsprechenden Erkrankung!

 

Gewichtsverlust Ein deutlicher Gewichtsverlust über 20 g die Woche ist oft der erste Vorbote von Krankheiten, es kann aber auch ein Zeichen von Rangkämpfen oder allgemein Stress sein. Gewichtsschwankungen um 10 g die Woche sind normal. Zu dünn sind die Tiere wenn man die Knochen deutlich hervorstechen sieht. Nehmen alle Tiere aus einer Gruppe ab, könnte es sich um eine Mangelerscheinung handeln, überprüfen Sie Ihre Fütterung und geben Sie ggf. mehr Trockenfutter.
Kahle oder schorfige Stellen im Fell
Vermehrtes Kratzen
Kahle und schorfige Stellen weisen auf Pilzbefall bzw. einen Milben/Haarlingsbefall hin. Ist das Fell gesträubt und ungeputzt weist das auch auf Krankheit oder hohes Alter hin. Ebenso kann es bei Rangkämpfen zu Bisswunden kommen, diese können mit Bephanten® Wund und Heilsalbe oder Augen und Nasensalbebehandelt werden. Bei größeren Wunden ist ein Tierarzt aufzusuchen.
Veränderte Augen Verklebte / verschlossene / trübe / graue verdickte oder anderweitig veränderte Augen sind ein Krankheitszeichen. Es könnte eine Bindehautentzündung oder Verletzung der Augen vorliegen. Sie finden ausführliche Infos dazu hier: Augenprobleme bei Ratten. Rötlicher Ausfluss siehe - Besonderheiten
Vorderzähne, zu lang oder abgebrochen Die Zähne müssen so zueinander stehen, dass sie sich gut abnutzen können. Die Vorderseite der Schneidezähne sollte gelb bis orange sein, zu weiße Zähne weisen auf Mineralmangel hin. Sind die Zähne zu lang, geben Sie mehr Zweige zum benagen oder harte Hundekuchen. Ist ein Zahn abgebrochen? Behalten Sie das gut im Auge, frisst die Ratte normal und nutzen sich die Zähne trotzdem gut ab, dann reguliert sich das von selbst, sonst sofort zum Tierarzt. Kann das Tier keine Nahrung mehr aufnehmen, müssen Sie esZwangsernähren.
StarkeFlankenatmung, Niesen, knackende Geräusche bei der Atmung, Aktivitätsverlust Das sind deutliche Hinweise auf eine Atemwegserkrankung. Mehr Informationen dazu hier:Atemwegserkrankungen bei Ratten
Ohren Schuppig, verklebt. 
Kopfschiefhaltung
Verklebte Ohren weisen auf eine Infektion im Innenohr hin, eine stärkere Infektion führt dazu, dass die Tiere Ihren Kopf schief halten und teilweise auch stärker am Ohr kratzen = Fellverlust und Schorfstellen. Schuppige oder schorfige Ohren weisen auch mitunter auf einen Parasitenbefall bzw. einen Pilzbefall hin.
After, schmutzig und verklebt.
Köttel weich und matschig
Wenn der After verschmutzt und verklebt ist, dann weist das auf Darmprobleme hin. Auch ein starker, strenger Kotgeruch aus dem Gehege weist auf Darmprobleme hin. Untersuchen Sie das Futter auf Verschmutzungen und Schimmel. Überprüfen Sie das Frischfutter der Tiere. Geben Sie vorrübergehend weniger Frischfutter bis sich der Durchfall klar gebessert hat, die Gabe von Darmbaktieren zur Regulierung der Darmflora wäre zu empfehlen, dazu kann man das Medikament Bird Bene Bac geben. Hält der Durchfall länger an, müssen Sie evtl Päppeln, mehr dazu hier: Päppeln
Hoden geschwollen Im Sommer, wenn es sehr warm ist, schwellen die Hoden von Rattenböcken mitunter an. Nicht selten führt das zu großer Besorgniss beim Halter. Es ist aber völlig normal, so wird der Samen gekühlt. Allerdings ist das ein erstes Zeichen, dass Sie den Ratten etwas Kühlung verschaffen sollten. Es besteht die Gefahr, dass die Tiere sich den Hoden an scharfkantigem Streu verletzen, kontrollieren Sie dort bitte öfter damit sich kein Abszess bildet.
Urin, Blut im Urin, Schmerzen beim Wasserlassen Blut im Urin, Schmerzen beim Wasserlassen und ein krummer Rücken beim Urinieren, ständig feuchter Afterbereich, stark riechender Urin - das sind Zeichen für eine Blasen- oder Nierenerkrankung, selten auch für eine Erkrankung der Atemwege. Diese Erkrankungen sind unverzüglich vom Tierarzt zu behandeln. Achtung, manche Nahrungsmittel können den Urin auch rot färben - mehr Infos dazu hier: Futterliste
Bauch hart, rund, angespannt. Starke Flankenatmung, Inaktivität Ein angespannter Bauch, Fressunlust, aufgeplustertes angespanntes Sitzen, Inaktivität. Diese Anzeichen weisen auf starke Fehlgärung im Darm hin. Meist wird diese durch falsches, nasses, unverträgliches Frischfutter hervorgerufen. Geben Sie dem Tier einen Tropfen Elugan, Lefax, Sab Simplex oder ein anderes Medikament mit dem Wirkstoff Simeticon und suchen Sie unverzüglich einen Tierarzt auf.
TumoreVerdickungen unter der Haut, tastbare, feste Veränderungen am Körper Bei fühlbaren Verdickungen / Tumoren ist unverzüglich ein Tierarzt aufzusuchen. Es könnte sich um Lipome, Atherome, Zysten, Liposarkome, Adenome, Krebs oder andere Wucherungen handeln. Diese können häufig, rechtzeitig erkannt, operativ entfernt werden. Mehr Informationen finden Sie hier: Wucherungen und Tumore beim Kleintier
Aktivitätsverlust mitSeitenlage und starkerFlankenatmung, Futterverweigerung Das Tier steht nicht mehr auf und geht keinerlei Aktivität nach? Es ist unverzüglich ein Tierarzt aufzusuchen! Die Ratte hat eine schwere Erkrankung / Infektion.

Im Sommer kann so ein Verhalten auch auf einen Hitzeschlag hinweisen.

Allergien
Kratzen, Niesen, Durchfall
Symptome wie häufiges Kratzen, Durchfall, Niesen, tränende Augen/Nase, könnten auf eine Allergie hinweisen - wenn die üblichen Untersuchungen nichts ergeben, Behandlungen nicht anschlagen und andere Krankheiten durch Tests beim Tierarzt ausgeschlossen wurden. Mehr Informationen dazu bekommen Sie hier:Allergieauslöser bei Kleintieren
Krallen zu lang, krumm Sind die Krallen zu lang, ist es ratsam, einen Ytongstein im Gehege anzubieten. Stellen Sie den Stein so auf, dass die Ratten darüber laufen müssen, wenn sie zu ihrer Futterstelle möchten.

 

Besonderheiten:

Tumore

Leider erkranken Ratten recht häuftig an Tumoren. Meist erkranken zwar ältere Ratten, aber es kommt durchaus auch bei recht jungen Ratten mitunter zu Tumorbildung. Unterhautumore sind oft schon früh zu ertasten, es handelt sich um Verärtungen unter der Haut, meist in den "Achselhöhlen" (Milchleiste) und im oberen Bereich der Hinterbeine. Häufig sind diese Tumore gutartig und leicht zu operieren. Es sollte unverzüglich ein rattenerfahrener Tierarzt aufgesucht werden. Je früher ein Tumor operiert wird desto größer sind Heilungschancen, je länger ein Tumor wächst, umso eher greift er das umliegende Gewebe an und umso größer ist die Wahrscheinlichkeit der Metastasenbildung (leider auch oft in den Lungen). Ob eine OP sinnvoll ist, hängt vom Alter und Gesundheitszustand der Ratte ab, aber in den meisten Fällen verlängert eine OP das Leben der Tiere um einige Monate und das ist für ein kurzes Rattenleben doch sehr viel.

 

Roter Augen/Nasenausfluss

Mitunter kommt es bei Ratten zu rötliche, Nasen und Augenausfluss, bei hellen Tieren erkennt man dann auch rötliche Stellen im Fell oder kleine Krusten an der Nase oder am Auge, in Häusern bemerkt man rötliche Spritzer an der Wand. Zuerst denkt man da an Blut, aber tatsächlich handelt es sich um ein normalerweise klares Sekret, welches in der Harder`sche Drüse im Augenbereich gebildet wird (es gibt einen Verbindungskanal zwischen Augen und Nase, so dass dieses Sekret auch in die Nase abfließen kann). Bei Stress, Atemwegserkrankungen oder Mangelerscheinungen kann sich dieses Sekret rot färben. Wird eine Rotfärbung bemerkt, ist ein Tierarzt aufzusuchen, um eine ernste Krankheit auszuschließen. Häufig wird die Rotfärbung dieses Sekretes chonisch, sei es weil eine Atemwegserkrankung chronisch wird, oder weil das Tier dauerhaft geschwächt ist (Krebs, Stress). Normalerweise ist eine chonische Rotfärbung dieses Sekrets nicht weiter beunruhigend, die Tiere können sehr gut damit leben, sollten aber besonders gut beobachtet werden.


Der Richtige Tierarzt

Nicht alle Tierärzte kennen sich richtig gut mit Kleinnagern aus und behandeln Ihre Ratten richtig. Bevor Ihre Ratten ernsthaft erkrankt, sollten Sie sich einen kompetenten Tierarzt suchen. Fragen Sie den Tierarzt ruhig, ob er sich mit Ratten auskennt und stellen Sie Fangfragen (z.B soll ich meine Ratte vor der OP ausnüchtern - die Antwort wäre "nein, Ratten können nicht erbrechen und eine Ausnüchterung würde ihren Organismuss durcheinander bringen". Beobachten Sie genau, was er tut. Untersucht er Ihr Ratten eingehend, bevor er eine Diagnose erstellt? Erklärt er Ihnen genau was er tut, welche Krankheit das Tier hat und wie die Heilungschancen sind? Lassen Sie sich sagen, wie die Medikamente heißen und welche Wirkstoffe sie haben und wie Sie die Medikamente anwenden müssen! Wenn Ihr Tierarzt sich Zeit nimmt, Ihre Fragen ernsthaft beantwortet und Sie das Gefühl haben, er hört Ihnen zu und gibt Ihnen Auskunft, dann sind Sie dort richtig.

Ein Tierarzt, der nach wenigen Sekunden eine Diagnose stellt und Ihnen irgendein Medikament ohne Namen gibt, selbst abgefüllt und ohne weitere Erklärung zu Anwendung oder der Ihnen keine Diagnose gibt und Sie sozusagen im Regen stehen läßt, oder das Ratten gar ohne Diagnose einschläfern will, ist der falsche Arzt und Sie sollten sich einen neuen Tierarzt suchen.

Sie können eine Liste, mit von erfahrenen Rattenhaltern empfohlenen, Tierärzten im Rattenforum bekommen.


Regeln für den Tierarztbesuch

Nehmen Sie nach Möglichkeit kein Tier allein mit, Ratten fühlen sich sicherer, wenn ein anderes Mitglied des Rudels dabei ist und seelischen Beistand leistet. Transportieren Sie die Tiere nur in dafür geeigneten Transportboxen, die Box sollte groß genug sein, dass die Tiere bequem drin liegen und sich auch bewegen können. Die Box sollte eine große Öffnung haben, gut belüftet sein und sie sollte dunkel sein. Durchsichtige Plastikbehälter eigenen sich nicht, die Tiere sind darin zu gestresst. Wir empfehlen die Transportbox Capri. Geben Sie ein Handtuch unten in die Box evtl noch etwas zum reinkuscheln die Tiere sollten sich drin verstecken können. Ein Leckerchen (Nüsse, Kerne) und etwas Trockenfutter in der Box erleichtern den Tierarztbesuch. Nehmen sie auch eine Tüte mit dem Lieblingsfrischfutter der Tiere mit um sie während der Wartezeit zu beruhigen und sie nach der Untersuchung zu belohnen. Im Sommer achten Sie bitte auf eine gute Belüftung der Box, im Winter legen Sie eine Wärmeflasche auf eine Seite der Box unter ein Handtuch, damit die Tiere nicht auskühlen. Der Transportweg sollte möglichst kurz sein. Bei längeren Fahrten ist auf eine gute Klimatisierung der Box zu achten und eine Wasserflasche sollte dann ebenfalls angebracht werden.

Meist sind Halter verständlicherweise sehr nervös, wenn sie mit ihrem kranken Tier zu einem Tierarzt müssen. So kommt es nicht selten vor, dass wichtige Dinge vergessen werden. Beobachtungen die einen beunruhigt haben kommen nicht zur Sprache, weil man sich zu sehr auf eine andere Krankheit konzentrierte. Also ist es sinnvoll, sich zum Tierarztbesuch einen Zettel mit den Wichtigsten Fragen und Infos mit zu nehmen. Folgende Informationen sollten Sie vorab notieren:

  • Alter des Tieres.
  • Gewicht des Tieres.
  • Andere Erkrankungen die evtl. vorangegangen sind
  • Beobachtungen die zum Tierarztbesuch führten (hat sich das Tier anders benommen, fielen Krankheitszeichen auf etc.).
  • Medikamente die das Tier bekommt oder bekommen hat.
  • Eigene Medikations- und Heilungsversuche.

Nachdem das Tier untersucht wurde und es eine Diagnose gibt, sollte man den Tierarzt bitten, folgendes für Sie aufzuschreiben, oder schreiben Sie selber mit:

  • Diagnose: was genau hat das Tier, falls Sie den Tierarzt nicht verstanden haben, scheuen Sie sich nicht, noch einmal nach zu fragen und sich alles genau erklären zu lassen!
  • Behandlung und Medikation: lassen Sie sich den Namen und die Wirkungsweise des Medikamentes, welches verordnet, wurde erklären. Wie oft müssen Sie es selbst verabreichen und in welcher Menge?
  • Lassen Sie sich genau sagen, was gespritzt wurde und wie es wirken soll.
  • Fragen Sie nach weiteren Pflegemaßnahmen die Sie ergreifen müssen (Päppeln, Verbände etc.)
  • Fragen Sie nach, ob weitere Tierarztbesuche nötig sind und wann Sie das nächste Mal in die Praxis kommen müssen.
  • Fragen Sie nach, wann Sie mit einer Besserung der Krankheit rechnen können und wie die Krankheit weiter verlaufen wird.
  • Fragen Sie nach, wann die Ergebnisse evtl. abgenommene Proben und Kulturen vorliegen werden.

 

Nur wenn Sie selber ganz genau wissen, was Ihr Tier hat, wie es behandelt werden muss und was Sie selber noch tun können, sollten Sie die Praxis verlassen.

Medikamentengabe

Wenn Sie ein Medikament für Ihr Tier mitbekommen haben, stellt sich natürlich schnell die Frage, wie gebe ich es meinem Tier? In den seltensten Fällen schmeckt den Tieren eine Tablette, Paste oder die Tropfen so gut, dass sie es selber nehmen. Aber es gibt Tricks die Sie anwenden können. Tabletten müssen verrieben werden. Antibiotika und andere Tropfen, Pulver, Pasten oder auch zerriebene Tabletten können sehr gut mit einem Klecks Marmelade, mit Früchtemus oder auch mit Saft verabreicht werden, testen Sie einfach vorab aus, was Ihre Ratte freiwillig vom Löffelchen schlabbert und mischen Sie die Tropfen darunter. Sehr beliebt ist bei den meisten Ratten die Katzenmaltpaste "Multi-Vitamin plus" oder "Malz Soft Paste" von der Firma Gimpet, damit konnten wir bisher jede Ratte zur Einnahme ihrer Medizin bewegen. Joghurt oder andere Milchprodukte dürfen Sie für Antibiotika nicht verwenden, bei anderen Arzneien können Sie auch Milchprodukte zum mischen nehmen. Nehmen die Tiere nichts freiwillig vom Löffel, müssen Sie das Medikament (bei Tabletten werden diese vorab in Wasser, Tee oder Saft aufgelöst) mit einer nadellosen Spitze direkt ins Mäulchen spritzen. Dazu müssen Sie die Ratte auf dem Arm fixieren und ihr die Spitze seitlich hinter die Zähne schieben, ein streicheln über den Hals löst den Schluckreflex aus. Fixieren:setzen Sie die Ratte auf den Tisch, fixieren Sie sie mit einer Hand indem Sie Zeige- und Mittelfinger um seinen Hals und Vorderbeinchen legen, Daumen, Ringfinger und kleiner Finger fixieren die Flanken und Hinterbeinchen. Sollen nur einzelne Tropfen verabreicht werden, kann man diese bei sehr wehrhaften Tieren auch direkt auf die Nase tropfen, die Ratten lecken diese instinktiv ab.

Medikamente werden grundsätzlich nicht über das Wasser verabreicht! Leider wird von Tierärzten immer noch mitunter dazu geraten, ein Medikament ins Trinkwasser zu geben. Das reicht nicht aus! Kaninchen trinken unterschiedlich viel, das eine trinkt häufig und nimmt damit vielleicht sogar zu viel Wirkstoff auf, ein anderes Tier trinkt gar nicht und nimmt den Wirkstoff also nicht ausreichend auf. Außerdem ist es meist nicht sinnvoll, alle Tiere aus einer Gruppe zu behandeln. Von daher bringen Medikamentengaben über das Trinkwasser nicht den erwünschten Erfolg, da eine genaue Dosierung, die gerade bei Antibiotika und ähnlichen Mitteln wichtig ist, nicht erfolgen kann.

Wenn Sie Salben/Tinkturen auftragen müssen, versuchen Sie die Ratte hinterher noch lange auf dem Schoß zu behalten um ein sofortiges Ablecken der Salben/Tinkturen zu verhindern, lenken Sie das Tier mit Leckerchen und Futter oder Spielen ab, bis die Salbe eingetrocknet ist.

Wichtig!
Bekommen Sie vom Tierarzt ein Medikament zur oralen Eingabe oder als Spot on für mehrere Tage in einer Tube, oder auf eine Spritze aufgezogen, dann verabreichen Sie auf keinen Fall das Medikament direkt aus dieser Spritze oder Tube!

Gerade Spritzen lassen sich oft schwer richtig dosieren, manchmal läßt sich der Stempel nur schwer drücken und aus Tuben kommt mitunter auch bei heftigem Druck kaum etwas heraus, dann wird der Spritzenstempel oder die Tube stärker gedrückt, plötzlich läßt sich der Stempel ganz runter drücken - und schon landet das gesamte Medikament im Tiermaul und es kommt zu einer massiven Überdosierung. Außerdem kommt es bei einer direkten Verwendung des Medikamentenbehälters leicht zu einer Verunreinigung des Medikaments.

Lassen Sie sich immer eine zweite Spritze mit Nadel geben. Ziehen Sie die benötigte Menge des Medikamentes mit der Spritze aus der Tube/Medikamentenspritze. Setzen Sie die Kappe wieder auf die Nadel und ziehen Sie diese von der Spritze ab. Verabreichen Sie dann mit der Zweitspritze das Medikament.

 

Operation

Manchmal ist es leider notwendig, sein Tier operieren zu lassen. Die Vor- und Nachsorge ist dabei sehr wichtig.

Vor der OP sollten die Tiere das letzte Frischfutter am Abend vorher bekommen. Trockenfutter sollte immer reichlich vorhanden sein. Ratten können nicht erbrechen und sollten auf keinen Fall vor der OP ausgenüchtert werden, das würde zu einer fatalen Verdauungsstörung führen.

Fragen Sie Ihren Tierarzt direkt, ob er das frisch operierte Tier auf einem Wärmekissen lagert, falls nicht, bestehen Sie darauf und liefern sie ggf. ein solches Kissen mit ab. Bevor Sie das Tier wieder mit nach Hause nehmen, sollte es aus der Narkose erwacht sein. Schläft das Tier noch, könnten Komplikationen auftreten mit denen Sie als Halter überfordert sind. Ein guter Tierarzt gibt Tiere erst wieder mit, wenn sie wach sind und erklärt Ihnen die Nachsorge.

Auf dem Nachhauseweg und bis die Narkose völlig abgeklungen ist muss das Tier gewärmt werden, legen Sie eine Handwarme Wärmflasche mit in den Transporter und den Käfig bis das Tier wieder putzmunter ist. Damit diese Wärmflasche nicht angenagt wird, wickeln Sie diese in ein Handtuch.

Beobachten Sie das Tier gut und achten Sie darauf ob es von selber anfängt zu Fressen, tut es das nicht, müssen Sie das Tier ggfZwangsernähren/Päppeln. Nach der OP sollte der Patient noch etwa eine Woche statt Streu Handtücher im Käfig als Untergrund haben oder auch Küchentücher, um zu verhindern, dass Staub und Streu an die frischen Wunden gelangt. Die Wunden müssen täglich kontrolliert werden, sind Fäden gezogen oder Entzündungen zu sehen, fängt es an zu bluten oder hat das Tier sichtbare Schmerzen ist unverzüglich ein Tierarzt aufzusuchen!

Narkoseformen:

In vielen Internetforen wird dem Halter eingeredet, nur eine Narkose mit Isofloran (also eine Inhalationsnarkose) wäre ungefährlich und sie sollten ihr Tier nur dort operieren lassen, wo diese Narkose vorgenommen wird. Diese Aussage ist veraltet und entspricht nicht dem neuesten Standard. Moderne Mehrstufennarkosen und Kombinationsnarkosen werden besser vertragen, als sogenannte "Gasnarkosen". Ausführliche Informationen dazu bekommen Sie hier: Vollständig antagonisierbare Narkose bei Nagetieren

 

 

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